Die beliebtesten Beiträge der Woche

Mittwoch, 10. August 2022

Lesestoff


Eine liebe Geschichte mit Reisetagebüchern
Die Erfinderin der Unlogik
Die 4. Auflage als e-book und als Print






Vogel als Brandstifter
Red fängt Zackenbarsch










Auf Deutsch und Portugiesisch
Touristen beim Fotografieren fotografiert

So oder so

Fotografiert von Heinz-Peter
Tjaden in Santa Luzia.
7. Februar 2022. Wenn Sie auf Madeira eine Wohngemeinschaft gründen oder sich einer Wohngemeinschaft anschließen, dann können Sie natürlich eine Mitbewohnerin wie die auf dem Foto bekommen. Wenn diese Frau aber auf der Hauswand in Funchal bleibt, bekommen Sie vielleicht meine. 

Ein Bilderbogen

Hier wohne ich seit dem
1. Februar 2021 und 
genieße oft diesen Blick
von meinem Balkon.
Foto: Heinz-Peter Tjaden
Als Einstieg

Um die Ereignisse in unserer Wohngemeinschaft zu verarbeiten, habe ich bei Facebook einen Bilderbogen "Krach und Dreck" veröffentlicht. Er möge als Einstieg in diesen blog dienen. Hier klicken 

2. Bilderbogen Kriminalität im Haus

Der Taxifahrer

Von unserem Balkon aus 
fotografiert. Kommt R.
demnächst so ins Haus?
Foto: Heinz-Peter Tjaden
Der mir eine schlaflose Nacht ersparen wollte

Das schon einmal vorweg: In unserem Haus soll es eine Räumung des Zimmers F gegeben haben. Sollte das der Fall sein, kann sie nicht rechtsstaatlich abgelaufen sein. Im Zimmer F haben M. und R. gewohnt. R. kann immer noch in das Zimmer. Da die Mieter nicht wollen, dass er ins Haus kommt, werden alle Türen abgeschlossen. Doch was macht das schon? Gestern ist R. auf den Balkon geklettert, der zum Nachbarzimmer und zu meinem Zimmer gehört, er marschierte an mir vorbei durch mein Zimmer und ging ins Treppenhaus, wo eine Mieterin Schmiere stand. Als ich gegen diesen Einbruch protestierte, behauptete sie, R. sei über das Treppenhaus ins Haus gelangt.

Nach diesem Vorfall packte ich meinen Rucksack und lief gegen 21.30 Uhr los. Dass ein Spaziergang um diese Zeit kein Vergnügen sein muss, habe ich während der Suche nach einem Taxi auf der Estrada Monumental in Sao Martinho erfahren. Überall lungerten Betrunkene herum, die sich entweder gegenseitig anpöbelten oder Touristinnen und Touristen beschimpften. Vor dem Forum Madeira, also nach einem kilometerlangen Spaziergang, fand ich ein Taxi. Der Fahrer fuhr in Funchal mit mir zu drei Hotels. Doch alle waren belegt.

Also entschloss ich mich notgedrungen zu einer Rückkehr ins Haus. Bei der Bezahlung gab es ein Problem. Der Taxifahrer hatte kein Wechselgeld. Deshalb holte ich meine zweite Geldbörse aus der Hosentasche und gab ihm zu dem 20-Euro-Schein aus der ersten Geldbörse das restliche Hartgeld. Auf meinem Zimmer stellte ich fest, dass ich die erste Geldbörse mit Personalausweis und Bankkarte im Taxi verloren hatte. Also überlegte ich eine Stunde vor Mitternacht, ob ich meine Bankkarte sperren lassen sollte. 

Vorher suchte ich die Umgebung des Hauses ab, dabei begegnete ich einem Mitarbeiter der Hausverwaltung RB Living, der mit seinem Smartphone herumhantierte. R. versteckte sich im Waschmaschinen raum. Ich kehrte in mein Zimmer zurück und fuhr meinen Computer für die Sperrung meiner Bankkarte hoch. Da klopfte gegen Mitternacht jemand an meine Tür. Zum Glück war das nicht R., der am Abend vorher bereits mit Fäusten auf mich losgegangen war, sondern eine Mieterin. Hinter ihr stand der Taxifahrer. Mit meiner Geldbörse in der Hand. Da schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: "Von dem, was in diesem Haus passiert, darf man nie auf das schließen, was auf Madeira passiert."

Im Haus hatte ich seit meinem Einzug am 1. Februar 2021 unzählige schlaflose Nächte. Dieser Taxifahrer hätte mir beinahe eine weitere erspart. Doch das verhinderte R., der ab 3 Uhr morgens in der Küche - wie so oft seit der angeblichen Räumung - Larm machte. Mein Zimmernachbar ist deswegen heute Morgen auch nicht ganz munter. Dass R. auf unserem Balkon war, erfuhr er erst von mir. 

 

Die Räumung

Ein Like vom Regierungschef.
 
Mit RB Living eher eine Schmierenkomödie

4. August 2022. "Ich feiere auch Weihnachten noch hier", sagt R. aus Zimmer F kurz vor Mitternacht. Aufgetaucht ist er gegen 18 Uhr, das Badezimmer verließ er mit dem gewohnten Dreck, er verschwand in seinem Zimmer oder startete Rundgänge, bei denen er Mieterinnen in Gespräche verwickelte. Gegen 20 Uhr kam auch sein Bruder M., in der Küche zündeten sie sich Zigaretten an, obwohl das Rauchen im Haus verboten ist. Wer bis Mitternacht das Haus verlassen soll, nimmt sich eben so manches heraus. Der darf mich - wie M. - wohl auch als "Motherficker" beschimpfen. 

Der Dienstag und der Mittwoch waren im Haus eigentlich recht fröhlich-und fleißig. J. aus Zimmer A machte die Küche sauber, was Stunden dauerte, eine andere Mieterin wischte das Treppenhaus durch, ich feudelte das Badezimmer und schrubbte in der Duschkabine den Dreck weg. Denn alle gingen davon aus: Der Vermieter RB-Living hat M. und R. nach Vandalismus im Badezimmer zum Verlassen des Hauses bis Mittwoch aufgefordert-dann kann im Haus aufgeatmet werden. J. und ich räumten sogar unsere Schränke in der Küche wieder ein, weil wir glaubten, dass es ab Donnerstag keine Diebstähle mehr geben wird.

Je näher Mitternacht rückte, desto mehr wunderte ich mich darüber, dass ich bis dahin keinen Mitarbeiter des Vermieters gesehen hatte, denn zu einer Räumung gehört-jedenfalls in Deutschland (deswegen eigentlich auch in Portugal, weil Portugal EU-Mitglied ist): Ein Räumungsbefehl, eine Fristsetzung, ein Termin für die Übergabe der Schlüssel und für die Abnahme der Räume, die verlassen werden müssen und die Anwesenheit eines Vertreters des Gerichtes oder eines Gerichtsvollziehers. 

Ich hatte zwar nicht damit gerechnet, dass auch auf Madeira so vorgegangen wird, denn auf dieser Insel werden viele Verträge nur zum Schein abgeschlossen, aber die Anwesenheit eines Mitarbeiters von RB Living erwartete ich dennoch. Dann endete der Mittwoch. Im Zimmer F brannte weiter Licht, wenn ich auf den Balkon ging, wurde ich beobachtet, als ich heute Morgen in der Küche den Kühlschrank öffnete, stellte ich fest: Ich war wieder bestohlen worden. Das Badezimmer auf der männlichen Etage sah schlimmer aus denn je. Aber immerhin: Einigen Kakerlaken, die mir im Treppenhaus begegneten, war die Flucht aus Zimmer F gelungen. 

5. August 2022. Die Lage ist unübersichtlich: M. scheint woanders untergekommen zu sein, R. verschanzt sich in seinem Zimmer, bis es still im Haus ist, und lärmt ab 2 Uhr morgens in der Küche herum, wo er vermutlich Essen zubereitet. Darauf deutet jedenfalls das schmutzige Geschirr am Morgen hin. Auf meine Bitte, mir doch den Hartschalenkoffer, der aus der Abstellkammer verschwunden ist, zurückzugeben, antwortete er schriftlich nach dem Motto: "Geh doch zur Polizei."

6. August 2022. Seit Monaten beschwere ich mich über die Verhältnisse in diesem Haus. Die erste Reaktion der Verwaltung: "Ziehen Sie doch aus, wenn Ihnen das nicht gefällt." Das sah ich aber gar nicht ein. Bei der deutschen Botschaft erkundigte ich mich jüngst nach meinen rechtlichen Möglichkeiten und informierte RB Living über die Kontaktaufnahme. Die Reaktion: Aushänge mit den geltenden Regeln im Haus, die das Gegenteil bewirkten. Gestern hat R. verkündet, dass er heute ausziehen wird. M. sehe ich hier nicht mehr. Wie oft ich R. gebeten habe, doch endlich einsichtig zu sein, kann ich nicht mehr zählen. Und nun beschimpft er mich.

6. August 2022. So geht das nicht, meint auch der Regierungschef von Madeira, Miguel Albuquerque, und vergibt bei Facebook wieder ein Like (siehe links oben). 

7. August 2022. Die Brüder R. und M. scheinen das Zimmer F endgültig verlassen zu haben. Auf der Zimmertür hinterließen sie ein Kreuz mit kyrillischen Buchstaben, im Hof einen von mir gekauften Besen mit abgebrochenem Stil. Den Hartschalenkoffer gaben sie mir nicht zurück. 

7. August 2022-13.40 Uhr. Das ist unglaublich: R. taucht hier schon wieder auf, durchsucht in der Küche Schubladen, die ihm nicht gehören und verschmutzt die Küche, die ich gerade sauber gemacht habe. Wenn er mich sieht, taucht er unter.

7. August 2022-18.35 Uhr. Wie organisiert man eine Räumung? R. hat das Haus verlassen, bevor ich meine Radtour startete. Sein Bruder M. schaute auch kurz vorbei und verschwand ebenfalls wieder  Jetzt ist R. wieder da, rennt durchs Haus, raucht und lässt die Türen knallen. Als er feststellte, dass die Außentür der Küche abgeschlossen ist, bekam er einen Tobsuchtsanfall im Treppenhaus. Bei meinem Einzug bekam ich den dafür erforderlichen Schlüssel von RB Living mit dem Hinweis: "Diese Tür muss immer abgeschlossen sein, wenn alle die Küche verlassen haben. Sonst könnte sich jemand unbemerkt ins Haus schleichen." Damals zog ein deutscher Professor mit mir in dieses Haus. Er bekam diesen Schlüssel ebenfalls. Die anderen Mieterinnen und Mieter nicht?

8. August 2022-0.50 Uhr. Offene mail an RB Living. Was ist das für eine Räumung? Es ist 0.40 Uhr und R. kommt mit Riesengetöse ins Haus. Begleitet von einer Mieterin geht er in die Küche und lärmt herum. Ich nehme an, dass Sie mit einer Mietminderung von 50 Prozent erst einmal einverstanden sind.

9. August 2022-19.43 Uhr. Nach seinem tobsüchtigen Auftritt von gestern taucht R. soeben wieder im Haus auf.  Die Proteste von Mieterinnen kümmert ihn nicht. Sie hatten alle Zugänge versperrt.

9. August 2022-20.55 Uhr. Da alle Zugänge versperrt sind, klettert R. auf den Balkon, marschiert an mir vorbei durch mein Zimmer und geht ins Treppenhaus. Das ist Einbruch. Und die Mieterin J., die im Treppenhaus steht, behauptet: "R. kommt von oben."

9. August 2022. Der Polizei-Einsatz

10. August 2022. Der Taxifahrer